Juli Zeh

Juli ZehFragen und Antworten der Juli Zeh-E-Mail Korrespondenz:

Sind Urheber ohne Urheberrecht ärmer dran?

Schlimmer. Ohne Urheberrecht gäbe es keine Urheber. Der Urheber ist keine gottgegebene Rolle, sondern eine Rechtsposition. So wie es ohne Sacheigentum keine Hauseigentümer gäbe, garantiert nur die Idee des geistigen Eigentums eine Beziehung zwischen dem Kreativen und seinem Werk.

Unverzichtbare Eckpunkte des Urheberrechts – gibt es die?

Die Rechtskonstruktion an sich ist unverzichtbar. Das Urheberrecht ist ein subjektives absolutes Recht. Es geht über das Sacheigentum sogar noch hinaus, und zwar insofern, als dass es nicht veräußerlich ist. Der Urheber bleibt immer Urheber und hat das Recht, bestimmte Verwertungsmöglichkeiten seines Werks an andere Leute zu verkaufen. Aber er bleibt stets Urheber und das Werk bleibt für immer seines. Das ist der Kern des Urheber-Gedankens. Er ist besonders wichtig, weil ein Werk keine normale „Sache“ ist. Ein Auto kann man kaufen, dann gehört es einem oder man verkauft es wieder. Ein Werk aber hat man erschaffen, es kommt aus den innersten Bereichen der Persönlichkeit. Deshalb ist die Beziehung zwischen Urheber und Werk eine besondere.

Was macht eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller in der digitalen Welt aus?

Jeder Autor lebt in seiner Zeit und setzt sich mit den Phänomenen auseinander, die ihn umgeben. Die besonderen Herausforderungen des Kommunikationszeitalters bestimmen zunehmend unsere Identität und werden deshalb auch zunehmend Gegenstand literarischer Auseinandersetzung sein.

Ist es für Sie ein Problem, wenn Texte von Ihnen in veränderter Form im Internet erscheinen (zur privaten Nutzung)?

Da muss ich kurz gegenfragen. Was meinen Sie mit „veränderter Form zur privaten Nutzung“? Ein Beispiel bitte.

Wir denken da an Mash-Ups, also z.B. ein Blogger nimmt Texte aus Ihrem Buch und schreibt sie fort. Wie ist Ihre Meinung dazu?

In einem solchen Fall fände ich es gut, wenn sich der Interessierte bei meinem Verlag meldet, der ja die Rechte an den Texten hat. Es geht dabei weniger um Geld als darum, zu prüfen, ob der Text in einen Zusammenhang gestellt wird, der meine Gefühle als Autorin verletzt.

Was macht für Sie eine Verwertungsgesellschaft aus?

Für uns Autoren ist die VG Wort ein Segen. Die Ausschüttungen tragen zu unserem Lebensunterhalt bei. Wir wären nicht in der Lage, uns selbst darum zu kümmern, an der kommerziellen Verwertung unserer Arbeit beteiligt zu werden.

Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr Erstes Staatsexamen machte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut (DLL), an das sie später als Dozentin zurückgekehrt ist. Nach ihrem Diplom am DLL folgte 2003 das Zweite Staatsexamen. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis, dem Ernst-Toller-Preis und dem Solothurner Literaturpreis.
Am 8. Dezember 2013 wird ihr in München der Thomas Mann Preis 2013 der Hansestadt Lübeck und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen.

Ihr erster Roman ADLER UND ENGEL erschien 2001. Ihr Roman SPIELTRIEB wurde 2006 am Hamburger Schauspielhaus für die Bühne dramatisiert. ALLES AUF DEM RASEN versammelt ihre Essays zu Gesellschaft, Politik, Recht und Literatur, die in großen deutschen Zeitungen und Magazinen erschienen sind. 2007 erschien ihr Roman SCHILF, 2009 CORPUS DELICTI.

2010 wurde Juli Zeh an der Universität Saarbrücken zum Dr. jur. promoviert. In ihrer Dissertation DAS ÜBERGANGSRECHT beschäftigt sie sich mit der Rechtsetzungstätigkeit von Übergangsverwaltungen am Beispiel von UNMIK im Kosovo und dem OHR in Bosnien-Herzegowina. Insgesamt wurde ihr Werk bisher in 35 Sprachen übersetzt. Zusammen mit Ilija Trojanow schrieb sie ANGRIFF AUF DIE FREIHEIT, das 2009 bei Hanser erschien. 2012 erschien ihr neuer Roman NULLZEIT. Im Sommersemester 2013 hielt sie unter dem Titel TREIDELN die Poetikvorlesung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. GOOD MORNING, BOYS AND GIRLS, ebenfalls 2013 erschienen, versammelt ihre Theaterstücke.

http://www.juli-zeh.de

Foto: David Finck

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